Cannabis sativa

Cannabis indica

 

Die Pflanze:

 

Hanf (cannabis sativa Linne) ist eine der ältesten Kulturpflanze. Beinahe alle Pflanzenteile werden genutzt, sei es als Lebensmittel zur Ölherstellung und Ernährung, in der Technik als Seile und Dämmstoffe, aber auch als Medizinalpflanze zur Behandlung vielfältiger Erkrankungen und als Rauschdroge.

 

Bei cannabis sative und Cannabis indica handelt es sich um die gleiche Pflanze deren Inhaltstoffe sich leicht unterscheiden. Sa hat Cannabis sativa eine leicht stärkere Rauschwirkung. Alle anderen Pflanzenteile können gleich verwendet werden.

 

Hanf ist eine zweihäusige Pflanze, es bestehen männliche und weibliche eigenständige Pflanzen. Die weibliche Pflanze ist bedeutend reicher an Wirkstoffen und dort ist der Blütenstand nochmals für die Wirkstoffgewinnung am interessantesten. Allerdings bestehen stets Gehaltsunterschiede unter den einzelnen Pflanzen, wie auch innerhalb der Blüten. Aus diesem Grund werden beim kommerziellen Anbau meistens Stecklinge, die von einer gehaltsreichen Pflanze abgezweigt werden, verwendet. So kann ein möglichst konstanter Gehalt garantiert werden.

 

Im Folgenden werden die pharmakologisch und toxikologisch interessanten Inhaltstoffe betrachtet.

Cannabis Pflanze

Cannabis Blüte

 

Cannabis Inhaltsstoffe

 

Die Cannabispflanze bietet sehr viele Ausgangsstoffe, die sich zur Weiterverarbeitung eignen:

 

  • Fasern zur Herstellung von Seilen

 

  • Ölhaltige Samen zu Herstellung Pflanzenölen und Duftstoffe für Kosmetika

 

  • Cannabinoide mit vielfältiger Wirkung.

 

Die meisten Wirkstoffe werden in Drüsenhaaren der Pflanze gebildet, die sich in grosser Zahl bei den weiblichen Blüten befinden.

Im weiteren beschränken wir uns mit den Cannabis-Wirkstoffen, die pharmakologisch und toxikologisch aktiv sind.

 

Substanz-Übersicht:

 

Cannabinoide

 

In der Hanfpflanze befinden sich eine ganze Reihe Phytocannabinoide aus der Gruppe der Terpenphenole. Diese komplexen Wirkstoffe wurden bisher nur in ein bis zwei weitere Pflanzen gefunden, dort aber in viel kleineren Mengen. Die Phytocannabinoide liegen als Carbonsäuren vor, die enzymatisch oder mit Wärme abgespalten werden müssen.

 

Zurzeit sind gegen 200 verschiedener Cannabinoide bekannt. Sie können auch synthetisch hergestellt werden.

 

 

Cannabidiol

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cannabidiol (CBD) ist das wichtigste nicht psychoaktive Cannabinoid und hat vielfältige medizinische Wirkungen, wie entkrampfendentzündungshemmendangstlösend und gegen Übelkeit. Weitere pharmakologische Effekte werden noch erforscht. Andere Cannabinoide wurden weniger untersucht. Es ist aber möglich, dass sich die Cannabinoide einander agonistisch oder antagonistisch beeinflussen oder modulierend beeinflussen.

 

 

 

Δ9-THC

 

 

 

 

Tetrahydrocannabinol [THC, genauer (–)-Δ9-trans-Tetrahydrocannabinol] ist die wichtigste psychoaktive Substanz unter den Cannabinoiden.

 

Es gibt vom Δ9-Tetrahydrocannabinol vier Stereoisomere:

 

  • (–)-Δ9-trans-Tetrahydrocannabinol und (+)-Δ9-trans-Tetrahydrocannabinol sowie

  • (–)-Δ9-cis-Tetrahydrocannabinol und (+)-Δ9-cis-Tetrahydrocannabinol.

 

Das wesentliche psychoaktiv wirksame Isomer ist das (–)-Δ9-trans-THC (Dronabinol), das 6- bis 100-mal stärker wirksam ist als das (+)-Δ9-trans-THC.[9] Die cis-Formen besitzen keine psychoaktive Wirksamkeit.

 

Die meisten anderen Cannabinoide besitzen keine oder nur eine geringe psychoaktive Wirkung.

 

Andere Inhaltsstoffe

 

In der Pflanze enthalt noch eine Vielzahl Wirkstoffe mit anderer chemischer Struktur, wie Terpene und Flavonoide.

 

Terpene

                                                                                                        (Isopren)

Terpene leiten sich formal von Isopren ab. Sie sind in sehr vielen Pflanzen vorhanden und bilden die Grundstruktur der ätherischen Öle. Sie besitzen eine Vielfalt biologischer und pharmakologischer Wirkungen.

 

Flavonoide

                                                                                                            (Flavan)

 

 

Flavan ist die Grundstruktur der Flavonoide, die häufig für die Farbe der Blüten zuständig ist. Medizinisch wird den Falvonoiden eine antioxidative Wirkung zugeschrieben

 

 

 

Text: Albert Ganz, August 2018

Literatur beim Autor

 

Cannabinoide als Arzneimittel

Cannabinoide und ihre Anwendung in der Medizin

 

Wir danken Herrn PD Dr. med. Michael A. Überall, Medical Director, IFNAP – private Institute of Neurological Sciences, DGS-Center of Excellence for Health Care Research, für die tabellarischen Übersichten und Zusammenfassungen.

Leider existieren nur wenige Untersuchungen, die die einzelnen Cannabionoide im Vergleich zu Gesamt- oder Teilextrakten betrachten. Interessant ist aber, dass Cannabidiol neben Delta9-THC das am weitesten untersuchte Cannabinoid ist.

Weltweit registriert sind nur eine Handvoll Medikamente.  Es handelt sich dabei um Reinextrakte oder um synthetisch hergestellte Cannabinoide

Nabiximols:

Inhaltssoff: Cannabidiol-Mischung mit Tetrahydrocannabinol, bzw. Eingestellter Cannabis sativa L.-Blätter-, Blüten-Dickextrakt

Markenname: SATIVEX

Nabilon:

Inhaltsstoff: vollsynthetisches Derivat des Δ9-Tetrahydrocannabinols.

Markenname: CESAMET/ CANEMES

Dronabinol:

Inhaltsstoff: (−)-trans-Δ⁹-tetrahydrocannabinol, aus der Pflanze gewonnen oder synthetisch hergestellt

Markenname: DRONABINOL (Freiname)

Cannabidiol:

Inhaltsstoff: Cannabidiol

Markenname: EPIODOLEX, CBD (Freiname, wird auch für Gesamtextrakte ohne THC verwendet)

Text:

Albert Ganz, September 2019

 

Pharmakologie der Cannabinoide

 

 

Einleitung:

Die direkte pharmakologische Beeinflussung von Endocannabinoidrezeptoren ist Gegenstand aktueller Forschung. Da diese jedoch Jahrzehnte lang teilweise verboten oder sehr erschwert war, fehlen uns bis heute viele Erkenntnisse. Das Endocannabinoidsystem ist praktisch so gut wie überall im Körper vorhanden und beeinflusst deswegen auch sehr viele Vorgänge. Diese betreffen sowohl die bekannten psychotropen Wirkungen von THC, Wirkungen auf Hunger/Appetit, wie auch andere Effekte im Nervensystem (siehe THC gegen Schmerzen bzw. Spastik, oder CBD gegen Epilepisie); es hat Effekte auf eine manigfaltige Reihe von Neurotransmittern und Rezeptoren, aber auch Effekte auf Entzündungsvorgänge, Zellteilung, Spermagtogenese und Eizellreifung, Insulinausschüttung, Stoffwechsel etc. Genaugenommen ist es ein Modulationssystem, dass sehr viele Schutzfunktionen wahrnimmt, die auf Basis der psychotropen Wirkungen von THC oft vereinfacht ausgedrückt unter dem Motto: «eat, sleep, forget» bezeichnet werden.
 

Aufgrund seiner ubiquitären Präsenz hat das Endocannabinoisystem eine Involvierung irgendeiner Art in fast jedes Körpersystem. Deshalb findet man aufgrunddessen auch immer irgendwo im Internet irgendeine Anwendung gegen beinahe jede Krankheit. Kritisch betrachtet erfüllt Cannabis diese Anpreisungen als Panaceum (=Allheilmittel) nicht, denn diese haben nicht immer pharmakologische oder pathophysiologische Relevanz, bzw. machen Cannabis und seine Inhaltsstoffe nicht generell zum geeigneten mittel den bzw. die primären Mechanismen einer Erkrankung zu behandeln.


Wir möchten hier die Grundzüge der pharmakologischen Effekte von THC darstellen.
 

Methode:


Da es nur wenige profunde pharmakologische (Fach-)Bücher zu diesem Themenkomplex gibt, wurden hauptsächlich Fachartikel von der Pubmed benutzt, sowie sonstige Bilder zur Illustration dessen aus diesen Publikationen oder von anderen Internetseiten gesucht, die den geschilderten Sachverhalt darstellen. Dies ist ein Informationsartikel, insofern gibt es keine konkreten Resultate oder Forschungsergebnisse darzustellen.


Die Quellenangaben befinden sich jeweils in den betreffenden Abschnitten.


Wirkungsmechanismen von Endocannabinoiden, THC und die Rezeptoren:


Cannabinoide (genauer gesagt: Phytocannabinoide) sind im Grunde nur der Schlüssel, der auf die Rezeptoren des Endocannabinoidsystems passt. Die Hauptrezeptoren sind der CB1-Rezeptor und der CB2-Rezeptor, die sich hauptsächlich durch ihre Verteilung im Körper unterscheiden. (meistens werden sie mit CB1 und CB2, oder mit CB1R und CB2R abgekürzt). Wie die meisten anderen Rezeptoren, sind CB1 und CB2 G-Protein gekoppelt. Als CB3-Rezeptor wird der GPR55 (G-Protein-coupled Receptor) bezeichnet. Endocannbinoide sind Teil des körpereigenen, physiologischen Regulations- und Schutzsystems im ZNS, im Immunsystem und bei der Apoptose.


Verteilung:


Faustregel:
CB1 – ZNS, Organe, Gewebe, Drüsen

CB2 – Peripherie, Immunsystem, und den Organen, die ins Immunsystem integriert sind (Milz, Thymus, Mandeln, im Gehirn wenig

CB1 ist für die Rauschwirkung zuständig, CB2 nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Quelle: https://www.medicalcannabisclinic.com.au/

https://www.medicalcannabisclinic.com.au/cannabinoids/the-endocannabinoid-system/)


Verteilung von CB1 im Gehirn:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(https://www.medicalcannabisclinic.com.au/

https://www.medicalcannabisclinic.com.au/cannabinoids/the-endocannabinoid-system/)


Funktion von CB1-Rezeptoren

CB-Rezeptoren sind G-Proteine gekoppelt, wie weiter oben bereits erwähnt.
Sie besitzen einen retrograden Wirkungsmechanismus d.h. sie signalisieren nicht vom präsynaptischen zum postsynaptischen Neuron, wie die klassischen Neurotransmitter, sondern rückwärts, um dem präsynaptischen Neuron eine Reduktion der Transmitterausschüttung zu signalisieren.

Dazu weiter unten genaueres.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Quelle:

REVIEW Supraspinal modulation of pain by cannabinoids:the role of GABA and glutamate

K Rea, M Roche and DP Finn British Journal of Pharmacology (2007),1–16 https://pdfs.semanticscholar.org/89e1/c8976a099a28fe12fbebd2f190279817b619.pdf?-ga=2.262362508.1697609569.1567150796-672773518.1567150796)


Die wichtigsten Endocannabinoide sind: AEA (N-Arachidonylethanolamin = Anandamid) und 2AG (2-Arachidonylglycerol).


Zum Einstieg eine Vereinfachung:
AEA bindet an CB1-Rezeptoren

2-AG an CB1- und CB2-Rezeptoren


(die Konzentration von 2-AG ist im ZNS ungefähr 200x höher, als die von AEA – Quelle dieser Information: Biochem Biophys Res Commun. 1999 Mar 16;256(2):377-80; Brain regional distribution of endocannabinoids: implications for their biosynthesis and biological function. Bisogno T, Berrendero F, Ambrosino G, Cebeira M, Ramos JA, Fernandez-Ruiz JJ, Di Marzo V.)


THC ist ein partieller Agonist an CB1- und CB2-Rezeptoren.

CBD bindet nur sehr sehr wenig an beide.


AEA wird über FAAH abgebaut (Fatty acid amid hydrolase)

2-AG über MAGL (Monoacylglycerol lipase)


THC und CBD werden über hauptsächlich das CYP450-System abgebaut und in kleineren Mengen auch direkt über die Niere ausgeschieden.


Retrograder Wirkungsmechanismus: D.h. Das postsynaptische Neuron signalisiert dem präsynaptischen Neuron die Transmitterausschüttung zu reduzieren. Die Endocannabinoide werden genau dann dort gebildet, wo und wie lange sie gebraucht werden. Danach werden sie schnell wieder abgebaut. Sie wirken nur kurzzeitig und schützen die postsynaptische Nervenzelle vor Übererregung durch zu starkes Signaling seitens des präsynaptischen Neurons. Somit stellen sie neben der Schutzfunktion wichtige Regulatoren bzw. Modulatoren im Nervensystem und in der Neuroplastizität dar. Je nachdem, ob sie erregende oder inhibierende Neurone hemmen, könne sie inhibierend oder erregend wirken. Man spricht von depolarization-induced suppression of inhibition/excitation, bzw. DSI und DSE. Die Resultate sind: DSI – die Inhibition wird unterdrückt, d.h. es kommt zu Erregung; DSE – die Exzitation wird unterdrückt, d.h. es kommt zu Inhibition.


Das betrifft die Neurotransmitter: Glutamat, GABA, Glycin, Acetylcholin, Noradrenalin, Serotonin Quelle: (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16596780)


Beispiel:

Kontrolle von glutamerger Exzitotoxizität bei traumatischer Hirnverletzung. Über Cannabinoidrezeptoren wird den Zellen, die im Alarmzustand dauerfeuern, was zu toxischer Übererregung führt, signalisiert, ihre Aktivität herunterzufahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle:

Br J Pharmacol. 2011 Aug;163(7):1402-10

Endocannabinoids and traumatic brain injury.

Shohami E, Cohen-Yeshurun A, Magid L, Algali M, Mechoulam R.

Traumatische Hirnverletzungen gehören zu den führenden Todesursachen bei jungen Erwachsenen. Neben der Hirnverletzung an sich, findet auch eine Ausschüttung, bzw. Akkumulation von schädigenden Mediatoren statt, die zu weiteren, sekundären Schäden führt. Gleichzeitig werden aber auch Schutzmechanismen aktiviert.


Insbesondere in diesem Fall, wo die Hyperexzitation zu starker intrazellulärer Calciumfreisetzung führt; diese ist der Haupttrigger für die on-demand-Synthese von Endocannabinoiden.


eCBs werden als Antwort bei Ereignissen pathogener Natur, wie z.B. Kainsäure induzierte epileptische Anfälle, glutamatinduzierte Toxizität, Trauma, etc. in erhöhter Menge produziert. Das lässt vermuten, dass die kompensatorischen Reparaturmechanismen des Gehirns über das Signalling von CB-Rezeptoren vermittelt werden.


Einfluss von Endocannabinoiden auf das Schmerzsystem
Man sieht es den vollen chemischen Namen der Endocannabinoide bereits an. 2-AG = 2-Acylglycerol (eigentlich 2-Arachidonylglycerol) AEA = Arachidonylethanolamid
Endocannabinoide werden aus Arachidonsäure im entzündeten Gewebe synthetisiert. Sie unterdrücken die Gewebesensibilisierung und Entzündung. D.h. der Körper kann aus entzündungsverursachenden Derivaten der  Arachidonsäure  (COX-LOXKaskaden) gleichzeitig das Entzündungsgeschehen kontrollieren, gleichzeitig können aber auch Endocannabinoide wieder in Arachidonsäure zersetzt werden und weiter der Synthese proinflammatorischer Prostaglandine aus der COX-Kaskade dienen. Somit hat der Körper hiermit ein Feintuningsystem zur Verfügung.


Ausserdem kann er über CB1-Rezeptoren die Weiterleitung des Schmerzes auf verschiedenen Ebenen hemmen und über CB2-Rezeptoren neuroimmune Prozesse der Entzündung und des Schmerzes kontrollieren.
Über CB2-Rezeptoren auf Immunzellen ist eine unterdrückende Modulation des Entzündungsgeschehens möglich. Diese hemmen die Produktion und Freisetzung von inflammatorischen Mediatoren.


Endocannabinoide in der Schmerzleitung:
CB1-Rezeptoren sind ebenfalls in den sensorischen und nozizeptiven aufsteigenden der Spinalganglien (dorsalen Wurzelganglien) vorhanden
Bei Schmerzen werden an der Entstehungsstelle und in der Weiterleitung einige TRPs aktiviert. TRPV1, A1, V4 (Transient Receptor Potential)
Dabei handelt es sich um nicht selektive Kationen-Kanäle (die manchmal als ionotrope Cannabinoidrezeptoren bezeichnet werden, da sie ligandengesteuerte Ionenkanäle sind, und nicht gProtein gekoppelt), die bei der Nozizeption aktiviert werden. TRPV1 könnte man auch den ChiliRezeptor nennen. Er wird durch Capsaicin aktiviert. Allerdings infolge von Daueraktivierung desensibilisiert. Aktivierung führt zu Calcium- und Natriumeinstrom und Stimulation der Nervenzelle. THC ist ein Agonist an TRPV1 (und Capsaicin ebenso). Die Aktivierung dieser TRPs wird durch durch Endocannbinoide hautptsächlich über CB1- Rezeptoren kontrolliert. Sie aktivieren TRPVs und desensibilisieren sie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle Bild:

Topical capsaicin for pain management: therapeutic potentialand mechanisms of action of the new high-concentrationcapsaicin 8% patchP. Anand and K. Bley

British Journal of Anaesthesia107(4): 490–502 (2011)Advance Access publication 17 August 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle Bild:

Annals of Neurosciences, Volume 15, 2008 REGULATION AND FUNCTION OF MATRIX METALLOPROTEINASES IN NERVOUS SYSTEM INJURY AND NEUROPATHIC PAIN, 94-105

http://annalsofneurosciences.org/journal/index.php/annal/article/view/94/195

http://annalsofneurosciences.org/images/18_4/page164.gif

Hier sieht man, über welchen Signalweg neuropathischer Schmerz über TRPV1 vermittelt wird, bzw. welche Regulationsmechanismen die CB-Rezeptoren auf diese Vorgänge haben. Die Eigenschaften von Endo- und Phytocannabinoiden am TRPV1 setzen sich folgendermassen zusammen:


TRPV1 (Transient Receptor Potential Cation Channel Vanilloid Type 1) - der heiß/Chili-Rezeptor


AEA – Agonist (desensibilisiert)

2-AG – Agonist (desensibilisiert)

THC – Agonist (desensibilisiert)

CBD – Agonist (desensibilisiert)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Quelle des Bildes:

https://basicmedicalkey.com/opioid-analgesics-and-antagonists/


LC= locus coerulus Neuron NMR=nucleus raphe magnum
STT=spinothalamic tract neuron
Mikroinjektionen von Cannabinoiden in die folgenden Stellen: PAG, dorsale Raphekerne, rostrale ventromediale Medulla, Amygdala, Thalamus zeigen antinozizeptive Effekte.


Endocannabinoide im absteigenden antinozizeptiven System:
In der Achse von periäquaduktalem Grau, ventromedialer Medulla und dem dorsalen Horn können CB1-Rezeptoren GABA-erge Interneurone hemmen (d.h. retrograd die Transmitterausschütuung hemmen). Somit wird die Hemmung glutamerger absteigender antinozizeptiver Neurone abgeschwächt und dieses System aktiviert. (Dis-Inhibition des antinozizeptiven PAG-RV-DH-Weges).


Quellen:
Cannabinoids in the Treatment of Epilepsy

N Engl J Med 2015; 373:1048-1058 September 10, 2015
Effects of cannabinoids and cannabinoid-enriched Cannabis extracts on TRP channels and endocannabinoid metabolic enzymes

Br J Pharmacol. 2011 Aug; 163(7): 1479–1494.

The Endocannabinoid System and its Modulation by Phytocannabinoids

Neurotherapeutics. 2015 Oct; 12(4): 692–698.
Cannabis and Cannabinoid Research, Volume 2.1, 2017

Cannabis and Pain: A Clinical Review
Pharmaceuticals 2010, 3, 2661-2673: 

The Role of Cannabinoid Receptors in the Descending Modulation of Pain

 

Text und Recherche: Daniel Schönberger, September 2019

 

Interaktionen mit Phytocannabinoiden

 

Daniel Schönberger, Valeria Dora, Ilka Wilharm, Albert Ganz, Fachzirkel Cannabis Schweiz, Februar 2018

 

Die Übersicht über die Interaktionen kann bei den Referenten gegen eine Entschädigung bestellt werden. Momentan handelt es sich um noch unpublizierte Recherchen, die vertraulich behandelt werden.

Recherche: Daniel Schönberger, Juli 2019

 

 

Cannabis Extraktionsmethoden

 

Für die Gewinnung der Wirkstoffe aus der Cannabis Pflanze werden in der Regel die weiblichen Blüten verwendet, da sie wegen ihrer zahlreichen Drüsenhaaren am meisten Wirkstoffe enthalten. Es kann aber auch die ganze Pflanze verwendet werden.

 

Für die Extraktion muss beachtet werden:

  • Die Cannabinoide liegen in der Pflanze als Carbonsäuren vor, die entweder durch Wärme oder enzymatisch abgespalten werden muss.

  • Carbonsäuren sind sehr lipophil und werden deshalb am besten mit einem lipophilen Extraktionsmittel behandelt. Dabei gehen aber die polaren Wirkstoffe, wie gewisse Terpene und Flavonoide verloren.

  • Für Gesamtextrakte sollte mit einem leicht polaren Extraktionsmittel gearbeitet werden

 

Die schonendste Extraktion geschieht mit gespanntem CO2. Allerdings werden dafür industrielle Geräte benötigt.

 

Die Auftrennung der gewonnenen Cannabinoiden ist nur mit hochtechnischen Methoden möglich. Wird eine gewisse Cannabinoid-Zusammensetzung gewünscht, so ist dies einfacher durch entsprechende Züchtung der Pflanze möglich.

 

 

Methoden:

  • Buthan, Petroläther (sehr lipophil)

  • Aethyläther (lipophil)

  • Aethylalkohol (leicht polar)

  • Wasser (polar)

 

Je nach Extraktionsmittel werden Teilextrakte oder Gesamtextrakte gewonnen. Terpene und Flavonoide erscheinen nur in den Alkohol- und Wasser-Extrakten.

Werden Produkte als Gesamtextrakte bezeichnet, so muss genau kontrolliert werden, welche Extraktionsmethode verwendet wurde. Die Alkoholextraktion ist sicher die breiteste Extraktion, denn so wurden die Cannabinoide, aber auch die Terpene und Flavonoide der Pflanze enzogen. Extrakte mit  Buthan oder Petroläther enthalten schwergewichtig die lipophilen Cannabinole. Welche Extrakte die wertvolleren sind, ist medizinisch nicht abgeklärt und ist momentan mehr eine philosophische Frage.

Text Albert Ganz

August 2019

 

 

Erwartungen der Apothekerinnen und Apotheker an die Cannabis-Produkte

 

  1. Erwartung an die Produkte

 

Cannabis-Produkte mit einem Gehalt von unter 1% THC sind in der Apotheke erhältlich als

  • Rohstoff

  • Chemikalie oder technisches Produkt

  • Lebensmittel

  • Kosmetika

  • Gebrauchsgegenstand (z.B. Liquida für E-Zigaretten)

 

Wichtig ist immer die Angabe, ob das Produkt natürlichen oder synthetischen Ursprung hat. Eine Charge-Nummer zur Rückverfolgung und ein Ablaufdatum sind für alle in den Merkt gelangenden Produkte ein Muss. Natürlich gehen die hier geforderten Angaben weiter als die gesetzlichen Vorschriften. Apotheken wollen aber für sich in Anspruch nehmen, nur qualitativ hochstehende, wissenschaftlich abgesicherte und zuverlässige Produkte anzubieten.

 

Zudem sind die Gehaltsangaben bei den angebotenen Cannabis-Produkten widersprüchlich, irreführend und nur schwer interpretierbar. Einzig die THC-Angaben entsprechend den Vorschriften. Der angegeben THC-Gehalt bezieht sich auf das Trockengewicht der Pflanze. Für die Herstellung freiverkäuflicher Produkte dürfen nur Pflanzen, die weniger als 1% THC enthalten, verwendet werden. Oder es werden synthetische Produkte verwendet, die meistens nur aus einem einzigen Cannabinoid bestehen.

 

Bei den im Markt erhältlichen Cannabinoid Produkten ist der Wirrwarr der Gehaltsangaben gross.

Beispiel:

10% Cannabis-Öl, bzw. CBD-Öl:

Normalerweise handelt es sich um ein Neutral-Öl (z.B. Erdnussöl), das 10% eines Cannabis-Extraktes enthält. Ob es sich aber dabei um ein Gesamtextrakt oder ein Teilextrakt handelt ist oft nicht ersichtlich. Ein Gesamtextrakt enthält neben den Cannabinoiden noch Terpene, Flavonoide und weitere Substanzen. Cannabinoide sind im Vergleich zu den Teilextrakten vermindert vorhanden. Ob dies Vorteile bringt ist sehr schwer zu beantworten und ist interpretationswürdig.

Viel besser wäre die zusätzliche genaue Gehaltsangabe eines bestimmten Cannabinoids, z.B. Cannabidiol, und dessen Herkunft. Dies würde auch die Qualität des Produktes beeinflussen, denn so wäre die Konstanz und die gleichbleibende Zusammensetzung garantiert.

 

 

 

Rohstoff

 

Es können Cannabis-Pflanzenprodukte, vor allem getrocknete weibliche Blüten unter der Voraussetzung, dass sie weniger als 1% THC enthalten, angeboten und verkauft werden.

 

Für den Verkauf in den Apotheken sollten die angebotenen Produkte der Vorschriften der Pharmakopöe Helvertica 11, Suppl. 3, cannabis flos, entsprechen. Dazu sollte die Herkunft der Produkte bekannt sein.

 

Cannabis-Harz und ähnliche Produkte sind in der Schweiz nicht verkehrstfähig.

 

 

Chemikalien und technische Produkte

 

In der Regel sind verarbeitete Cannabis-Produkte Extrakte aus der Pflanze. Beispiele sind Cannabis-Duftöle. Für solche Produkte sind geringere Vorschriften einzuhalten, es wird mehr auf die Eigenverantwortung gesetzt, massgebend ist die Chemikalien-Gesetzgebung. Eine Heilanpreisung ist nicht gestattet. Dennoch wird gefordert, die Angabe folgender Nachweise und Kontrollen anzugeben:

  • Herkunft der Ausgangsprodukte

  • Abwesenheit von Pestiziden und Insektiziden

  • Angabe der verarbeiteten Pflanzenteile

  • Extraktionsmethode

  • Gesamt oder Teilextrakt

  • Monosubstanz

 

 

Lebensmittel

 

Cannabis-Produkte, die als Lebensmittel angeboten werden müssen allen Anforderungen der Lebensmittelgesetzgebung erfüllen. Insbesonders dürfen sie keine Heilanpreisung enthalten. Auch Produkte, die als Novel Food angemeldet werden benötigen eine entsprechende Anmeldung. Für solche Produkte, sollten sie in den Apotheken angeboten werden, erwarten die Apotheken:

  • Herkunftsangaben

  • Schadstoffkontrolle

  • Standarisierung auf einen bezeichneten Einzelstoff

  • Extraktionsmethode (Gesamt- oder Teilextrakt)

  • Verwendete Pflanzenteile

  • Unbedenklichkeitsbescheinigung

  • Begleitstoffe

 

 

Kosmetika

 

In Kosmetika können natürliche oder synthetische Cannabis-Produkte verwendet werden. Besonders der Unbedenklichkeitsnachweis ist ausschlaggebend. Anpreisungen für eine medizinische Anwendung sind nicht gestattet. Werden die Produkte in der Apotheke weiter zu Kosmetika verarbeitet, so haben sie den Vorschriften des Lebensmittelgesetzgebung zu entsprechen. Wünschbar ist eine Herkunftsbestätigung.

 

 

Gebrauchsgegenstände und als Tabakersatz

 

Beispiel eines Cannabis-haltigen Gebrauchsgegenstandes sind BD-haltige Kartuschen für E-Zigaretten oder CBD-Blüten zur Beimischung zu Tabak. Solche Produkte sind weniger in Apotheken erhältlich, da deren Gesundheitsgefährdung unklar ist. Dennoch sollten sie auch den Nachweis enthalten, wie sie für Lebensmittel gelten

 

 

 2. Cannabis Produkte als Arzneimittel

 

Nach der heutigen Gesetzgebung der Schweiz sind Cannabis-Produkte als Arzneimittel in der Apotheke nur gegen ärztliche Verschreibung als Magistral-Rezepturen erhältlich.

Die Ausgangsprodukte müssen den pharmazeutischen Vorschriften genügen. So lange nur Cannabis-Blüten in der Schweizerischen Pharmakopöe aufgeführt ist gelten für Extrakte und andere Verarbeitungen der Pflanze die Arzneibücher der EU, der USA und von Kanada. Gleizeitig wird erwartet, dass die Herstellung nach zertifizierten GMP Praktiken erfolgt, die Qualität der Produkte gewährleistet ist, was durch eine Standarisierung auf ein Cannabinoid, z.B. auf Cannabidiol angegeben wird. Nicht genügend ist die Bestätigung weniger als 1% THC. Bei THC-Produkten ist dessen genauer Gehalt anzugeben. Die Prüfung hat durch zertifizierte GLP zu erfolgen.

Geforderte Angaben:

  • GMP-Standarisierung und Zertifikat

  • GLP-Prüfung und Protokoll

  • Extraktionsmethode oder synthetische Herkunft

  • Gesamtextrakt, Teilextrakt oder Monosubstanz

  • Nachvollziehbare Inhaltsangaben

  • Herkunft der Pflanze, Standarisierung

  • Schadstoff- und Gehaltsprüfung nach GLP (Zertifikat)

  • Chargenbezeichnung zur detaillierten Rückverfolgung und Ablaufdatum

  • Begleitstoffe

  • Wirkungsnachweis

 

Liegen klinische und wissenschaftliche Untersuchungen vor, so sind diese den Apotheken zugänglich zu machen.

 

 

 

 

 

 

Autor: Dr. Albert Ganz, Oktober 2019

Das Betäubungsmittelgesetz der Schweiz

Kritik und Korrekturhinweise

 

 

Wie weit gilt die Rassismus-Norm?

 

Mit grosser Mehrheit stimmte die Schweizer Bevölkerung dem Schutz von Minderheiten zu und würde vermutlich ihn auch auf andere menschliche Formen ausweiten. Weit fortgeschritten ist auch der Schutz von Tieren. Natürlich nicht vor Diskriminierung, sondern die Tiere erhalten Schutz vor Quälereien und Unterstützung, wenn die Art erhalten werden soll. Verbote zur Tierhaltung gibt es nur zum Schutz der Tiere und beziehen sich auf den Menschen und nicht auf das Tier.

Gilt das Diskriminierungsverbot aber auch für Pflanzen? Kann eine Pflanze überhaupt diskriminiert werden? Auch hier gilt, dass dem Menschen der Umgang mit gewissen Pflanzen nicht erlaubt ist, sei es zu seiner Sicherheit oder zum Schutz der einheimischen Flora. Aber die Pflanze ist an sich nicht verboten. Eine Pflanze kann gar nicht verboten werden, nur weil sie eine Pflanze ist, auch wenn sie gewisse für den Mensch gefährliche Produkte in sich trägt.

Eine Pflanze ist niemals böse und produziert giftige Stoffe, die dem Menschen schaden. Während der Evolution produzierten Pflanzen Schutzmechanismen, seien es Stacheln, bittere Stoffe oder andere Mechanismen. Aber auch Köder und Duftstoffe wurden entwickelt, die auch zur Vermehrung oder Erhalt der Pflanze dienen. Aber böse an sich ist keine Pflanze, so dass sie mit einem Bann oder Verbot belegt werden kann. Es kann höchstens dem Menschen der Umgang mit ihr verboten werde, zum Schutz des Menschen oder der Pflanze.

Gerade eine solche Unstimmigkeit findet sich im schweizerischen Betäubungsmittelgesetz. In Artikel 8, verbotene Betäubungsmittel, werden neben Heroin (Diacetylmorphin), Rauchopium (wird aus dem Harz der Mohnkapsel hergestellt) Cannabis erwähnt, genau Betäubungsmittel des Wirkungstyps Cannabis. Cannabis ist der Name einer alten Heilpflanze mit einer grossen Palette von Wirkstoffen. Der einzige wirklich psychoaktive Wirkstoff ist Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC). Es gibt keine Betäubungsmittel des Cannabis-Typs. Es gibt auch keine Betäubungsmittel des Typs Schlafmohn, oder des Cocastrauches. Es ist das THC, das Morphin oder das Cocain. Es ist also durchaus berechtigt zu behaupten, dass die Cannabis-Pflanze diskriminiert wird. Natürlich greift hier das Diskriminierungs-Gesetz nicht. Dennoch kann gefordert werden, dass Gesetze stilistisch und semantisch korrekt formuliert sind.

Auch eine sprachliche Unkorrektheit im Betäubungsmittelgesetz ist der Hinweis, dass keine Betäubungsmittel angebaut werden dürfen. Nun man kann Apfelbäume pflanzen und dann Äpfel ernten oder Traubenstöcke setzen und dann Trauben pflücken. Aber wie pflanzt man Betäubungsmittel und wie erntet man sie. Hier wird die betäubungsmittel-enthaltende Pflanze angebaut und das Betäubungsmittel wird dann durch einen Prozess gewonnen. Geerntet bei Cannabis würde vor allem die Blüte. Betäubungsmittel können also chemisch hergestellt oder aus Pflanzen extrahiert werden, aber ein Anbau von Betäubungsmitteln ist nicht möglich, höchstens ein Anbau von Betäubungsmittel produzierenden Pflanzen.

Durch den Bann von Cannabis als verbotenes Betäubungsmittel wurde der ganze Umgang mit der Pflanze erschwert. So sind Produkte, hergestellt aus Cannabis, auch wenn sie nur sehr wenig THC enthalten, fast nicht registrierbar, auch nicht als Medikamente. Auch sind wissenschaftliche Untersuchungen, der ganze Umgang mit der Pflanze erschwert, wenn nicht verunmöglicht. Auch wenn jetzt durch bundesrätliche Änderungsvorschläge die strikten Regeln aufgeweicht werden, so besteht der Fehler im Betäubungsmittelgesetz weiter. Die Änderungen sind eher ein Flickwerk.

Der Fachzirkel Cannabis Schweiz hat es sich zum Ziel gesetzt, diesen Fehler auszumerzen. Das Wort Cannabis hat im Betäubungsmittelgesetz nichts zu suchen und sollte durch THC ersetzt werden. Überhaupt wirkt das Verbot von Substanzen eher kontraproduktiv, der Reiz wird erhöht und die Versuchung angestachelt.  Zudem können solche Substanzen in einem anderen Kontext wieder ihre Bedeutung erhalten. So kann LSD oder Psylocibin eventuell eine Indikation haben oder Heroin kann therapeutisch eingesetzt werden. Natürlich sollen die Substanzen im Betäubungsmittelgesetz verbleiben, aber der Artikel 8 des BetMG hat keine Berechtigung und sollte gesamthaft gestrichen werden.

Interessanterweise hat Swissmedic die Diskrepanz im Betäubungsmittelgesetz bereits erfasst. So wurde das Medikament als «SativexR» für spastische Krämpfe bei Patienten mit multipler Sklerose (MS) bereits vor einigen Jahren zugelassen. Wenn nun Cannabis in Art 8 des BetMG durch THC ersetzt würde dann käme Swissmedic in Bedrängnis, denn «SativexR» enthält als Wirkstoff THC. Es ist sicher spannend zu sehen, wie sich die Behörden dann verhalten

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Der Fachzirkel Cannabis Schweiz setzt sich dafür ein, dass endlich Cannabis-Produkte in pharmazeutischer Qualität hergestellt und vertrieben werden dürfen. Auch sollten die Präparate eine eindeutige Indikation haben und mit Packungsprospekt mit genauen Dosierungsanweisungen versehen werden. Der Fachzirkel hofft, dass das jüngere und aufgeschlossenere Parlament die Anregungen aufnimmt.

 

Zürich, 15. Februar 2020

 

Dr. Albert Ganz

Präsident Fachzirkel Cannabis Schweiz

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Baustelle Betäubungsmittelgesetz

 

 

Als 1951 das Betäubungsmittelgesetz in heutiger Form in Kraft gesetzt wurde, herrschte Nachkriegsstimmung, wirtschaftlicher Aufschwung und Unverständnis gegenüber Abhängigkeitserkrankungen.

 

Das 19. Jahrhundert war geprägt von weltweiten Konflikten, die immer wieder in Zusammenhang mit Opium standen. So gab es Opiumkriege, die politisch entscheidend waren. Erst 1912 wurde in einer Opiumkonferenz von 13 Teilnehmerstaaten eine Eindämmung des Konsums von Opium, Morphin, Kokain und verwandter Stoffe gefordert, da Suchterkrankungen weit verbreitet waren. 1913 ratifizierte die Schweiz das internationale Opium Abkommen von Haag, ohne dass die entsprechenden Gesetze bestanden. Die ersten Kantone, die Gesetze zur Bekämpfung des Betäubungsmittel-Missbrauchs erliessen, waren 1921/1922 die Kantone Waadt und Genf. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Schweiz das einzige Land, wo Handel und Produktion mit Betäubungsmitteln völlig frei waren. Auf internationalen D ruck reagierte der Bundesrat und beschloss am 2. Oktober 1924 das erste eidgenössische Betäubungsmittelgesetz. Cannabis war darin nicht erwähnt.

 

Bis 1950 fand weltweit eine chemische Revolution statt es wurde eine Unzahl neuer chemischen Substanzen isoliert und synthetisiert. Überall fanden Konferenzen statt, die die Regulierung von Betäubungsmittel verstärkt verlangten. In den USA wurde Cannabis als Teufelskraut bezeichnet. Verbote und strikte Kontrollen wurden gefordert, Prohibition war das Schlagwort. In Folge der veränderten Auffassung und Ansichten wurde 1951 das Betäubungsmittelgesetz revidiert und Cannabis als einzige Pflanze als verbotenes Betäubungsmittel bezeichnet. Der Zeitgeist spiegelte sich im Gesetz, Verbote bestimmten den Charakter und Abstinenz und Null-Toleranz wurden gefordert. 1975 wurde das Betäubungsmittelgesetz einer Revision unterzogen und teilweise noch verschärft. Auch der Konsum von Betäubungsmitteln wurde zur Straftat. Auf Grund der sich veränderten Drogenpolitik wurden ab 1980 immer wieder einzelne Artikel abgeschwächt und der Zeit angepasst. 2008 stimmte das Volk einer Revision des Betäubungsmittelgesetzes deutlich zu. Die neuen Vier-Säulen-Politik (Prävention, Therapie, Schadenminderung, Repression) und die heroingestützte Behandlung sollten gesetzlich verankert werden. Das revidierte Betäubungsmittelgesetz trat per 1. Juli 2011 in Kraft. Dennoch bestand der Verbot-Artikel weiter und semantische und inhaltliche Fehler wurden nicht ausgemerzt und die Absicht von der Abstinenz zur Therapie zu wechseln wurde nicht konsequent nachgegangen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So verblieb bereits in Artikel 1, Abs. a der Gedanke zur Abstinenz und in Abs. c und d sind der Schutz im Vordergrund. Durch Abs. e wird der Konsum wieder kriminalisiert.

 

In Artikel 1a wird wohl das neue 4-Säulenprinzip erwähnt, da aber Art. 1 in Kraft blieb, hat er stark an Gewicht verloren. Wenn schon hätte bei der Revision von 2008 der erste Teil des Artikels weggelassen werden müssen.

 

 

 

 

 

 

 

Da das Heilmittelgesetz die Behandlung von Krankheiten, auch mit Betäubungsmitteln, beschreibt und regelt, ist es auf Therapie ausgerichtet. In Artikel 1b wird nun aber das Betäubungsmittelgesetz über das Heilmittelgesetz gestellt und damit werden die Absicht, bei Abhängigkeitskrankheiten Therapie vor Bestrafung zu setzen zu Nichte gemacht.

 

 

 

 

 

Eine wichtige sprachliche und inhaltliche Korrektur des BetmG wurde 2008 verpasst, indem die Bezeichnung der Betäubungsmittel nicht verändert wurde. So werden Pflanzen, Pflanzenauszüge und chemische Stoffe wild durcheinandergemischt, ohne dass eine Systematik erkenntlich wäre.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch werden die Stoffe nicht per se benannt, sondern mit dem Begriff «Wirkungstyp» versehen, was chemisch und pharmakologisch sehr verwirrlich ist. Alternativ könnte folgende Bezeichnung Morphin und seine psychoaktiven Derivate gewählt werden. Ganz falsch ist die Bezeichnung «Betäubungsmittel des Wirkungstyps Cannabis». Cannabis ist eine Pflanze und enthält als psychoaktiven Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC). Wenn schon Cannabis-Inhaltsstoffe ins BetmG aufgeführt werden sollen, dann müsste es THC sein und nicht die Pflanze. Es wird auch nicht von «Betäubungsmittel des Wirkungstyps Schlafmohn» gesprochen, sondern von Morphin.

Ob alle abhängigkeiterzeugende Stoffe ins BetmG gehören, kann diskutiert werden. Sie werden bereits im Heilmittelgesetz gebührend behandelt.

In Artikel 3 beginnt ein Flickwerk indem die ersteren Artikel entweder verschärft oder auch abschwächt werden. Es fragt sich nun, wieso die scharfen Bestimmungen überhaupt aufgeführt werden, wenn sie sowieso wieder in vielen Fällen umgangen werden können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Abschnitt der Prävention wird hier absichtlich nicht behandelt, denn er ist gut gemeint, die Prävention wird aber immer wieder beschnitten. So werden immer wieder Kontrollmassnahmen, Registrierungen und Überwachung gefordert. Gerade das Kontrollsystem behindert eine adäquate Therapie, auch wenn Patientendaten anonymisiert werden. Auch dass die Therapie von Abhängigkeitserkrankungen mit Betäubungsmitteln meldepflichtig ist, stört Therapeuten und Patienten. Wenn auch solche Behandlungen auf Fachleute und spezialisierten Institutionen eigeschränkt sind, sollte die Dokumentationspflicht nicht überhandnehmen.

Ein sehr einschneidender Artikel im BetmG ist der Artikel 8, Verbotene Betäubungsmittel

 

 

 

 

 

 

Anschliessend an diesen Artikel werden Details für deren Herstellung, Vertrieb usw. beschrieben. Zudem folgen die Bestimmungen für Ausnahmebewilligungen. So kann Heroin und LSD mit einer Sonderbewilligung für therapeutische Massnahmen eingesetzt werden. Absurd ist die Erwähnung von «Betäubungsmittel des Wirkungstyps Cannabis». Schon sprachlich ist dies ein Unding, wenn schon hätte THC erwähnt werden sollen. Völlig absurd ist es, wenn der Anbau von verbotenen Betäubungsmitteln verboten wird. Ein Betäubungsmittel kann nicht angebaut werden, sondern es kann aus Pflanzen extrahiert oder chemisch synthetisiert werden. Dieser sprachliche Unsinn zieht sich durch das ganze BetmG und bedarf dringend einer Korrektur.

Rauchopium spielt in der Drogenszene nur noch eine marginale Rolle. Da der Wirkstoff darin, Morphin, im BetmG weitgehend kontrolliert wird, ist seine Erwähnung nicht mehr notwendig. Bei allen anderen Wirkstoffen bestehen Ausnahme-Artikel, so dass die Frage nach der Notwendigkeit dieses Artikels berechtigt ist. Eine generelle Streichung von Art. 8 würde den Umgang mit Betäubungsmitteln sehr erleichtern.

Das BetmG befasst sich anschliessend detailliert mit dem Umgang von Betäubungsmitteln, von Fachpersonen und Institutionen, vom Handel, von Ausfuhr und Import. All diese Artikel benötigen auch eine kritische Begutachtung und einer Überarbeitung. Dies hier zu behandeln würde zu weit führen.

 

 

Zürich, 1. März 2020

Albert Ganz

Fachzirkel Cannabis

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